 „Geij Bou, dasd fei schee schmadzd!"Zum Thema „Sprachkultur“, dem Erhalt und der Pflege des heimischen Dialektes – unterstützt seitens des Kulturfonds Bayern – lud das Regionalmanagement Altmühl-Jura und mit ihm jura2000 Ende November die Kindergärten der Altmühl-Jura Region zu einem Erfahrungaustausch ein. „Der Kindergarten spielt eine zentrale Rolle in der Arbeit der Dialektpflege und Dialekterhaltung“ stellte Regionalmanagerin Lena Rieder anfangs der Tagung fest und freute sich, Erzieherinnen aus den elf Gemeinden des Regionalmanagements und somit aus Oberbayern, Mittelfranken und der Oberpfalz zu begrüßen. Hauptreferent war Sepp Obermeier, Vorsitzender des Fördervereins „Bairische Sprache und Dialekte e. V. Niederbayern/Oberpfalz“ und Verleiher der „Nordbairisch-Mittelbairischen Sprachwurzel“.
Bereits vor drei Jahren holte Martina Riedl, Leiterin des katholischen Kindergartens Marienheim, Sepp Obermeier nach Denkendorf, um zusammen mit ihm bei den Eltern um die Pflege des Dialektes zu werben. Der Elternabend unter dem Motto „Vorsprung durch Mehrsprachigkeit“, bei dem Obermeier die Eltern von den vielen Vorteilen eines dialektgeprägten Kindergartenalltags überzeugte, war der Start, um die Muttersprache als Bestandteil in das pädagogische Konzept einzubauen. Seither findet im Kindergarten Marienheim in Sachen „Bayern und Bairisch“ allerhand statt. Vor allem sei laut Riedl erstaunlich, dass sogar Kinder mit Migrationshintergrund sich den Dialekt spielend aneignen und sich somit schneller in die Gemeinschaft integrieren.
Neben dem Erhalt der Sprachkultur und somit der Identifikation mit der Heimat berge der Dialekt erhebliche Vorteile für die kindliche Entwicklung, so Sepp Obermeier. Die Verwendung des Dialektes neben der „Standardsprache“, die man in den Medien und auch in der Schule benutze, bilde bei den Kindern eine primäre Sprachkompetenz, die entsprechende Gehirnregionen besser ausprägen lasse. Ein ständiges „Übersetzen“ im Kopf durch den Wechsel zwischen Dialekt und Standardsprache – sogenanntes „Code-switching“ – erleichtert es den Schülern wesentlich, Fremdsprachen zu lernen – das sei mittlerweile wissenschaftlich erwiesen. Seit mehr als zehn Jahren werde die Muttersprache als schützenswertes Kulturgut betrachtet und nicht mehr als Hemmschuh beim Erlernen der Standardsprache.
Im Jahre 2006 bekannte sich die für die Kindergärten zuständige Sozialministerin Christa Stewens zu den Dialekten und wies die dialektkundigen Erzieherinnen an, ein muttersprachliches Vorbildf zu sein. Aber auch das bayerische Kultusministerium, damals unter Kultusminister Siegfried Schneider, erstellte 2006 mit dem Bayrischen Rundfunk einen „Leitfaden zur Dialektpflege“ für die bayrischen Schulen. „Der Artikel 131 der Bayerischen Verfassung benennt die Ziele heutiger Bildung. Demgemäß sollen die Schulen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Die Schüler sind ferner in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen. Und dazu gehört auch der Dialekt.“ erklärte Obermeier und erzählt vom ersten Schultag des ostbayerischen Schriftstellers Josef Fendl im Jahre 1935, dessen Mutter den Erstklässler mit dem (scheinbar) guten Rat: „Geij Bou, dasd fei schee schmadzd!“ (Gell, Bub, dass du mir ja schön redest!) auf den Schulweg schickte. Mit diesem Beispiel lasse sich verdeutlichen, dass in der jüngeren Vergangenheit der Dialekt ein sozial geringeres Ansehen hatte.
Das Kulturgut „Bairische Sprache und Dialekte“ vor der Schwindsucht zu retten sei der Antrieb gewesen, die Auszeichnung „Bairische Sprachwurzel“ zu kreieren. Sie wird Prominenten verliehen, die öffentlich in einem bairischen Dialekt zu reden– ein Preisträger ist unter anderem Papst Benedikt XVI.
Ein Kind sei nur bis circa zum zwölften Lebensjahr in der Lage Mundart kompetent zu erlernen - findet das im Elternhaus oder im Kindergarten/Schule nicht statt, sind diese Kinder in der nächsten Generation nicht mehr in der Lage ihren eigenen Kindern den Heimatdialekt zu vermitteln. So ist die Gefahr groß, dass ein Dialekt innerhalb einer Generation verschwinde, warnte Sepp Obermeier.
Regionalmanagerin Lena Rieder und ihre beiden Kolleginnen Gertraut Seitz und Monika Schmidt waren sich der Schwierigkeit und Komplexität des Themas „Sprachkultur – Erhalt und Pflege von Heimatdialekten“ sehr bewusst und holten sich als Projektkoordinator den ehemaligen Lehrer und Bürgermeister Josef Köstler aus Breitenbrunn mit ins Boot. Seit längerem schon hat dieser Kontakt mit Schulen und mit den Universitäten Eichstätt und Ingolstadt, um Strategien zu diesem schwierigen Thema zu entwickeln. „Wir wollen die Bevölkerung für die Dialekte sensibilisieren und eine Bewusstmachung der Einzigartigkeit unserer verschiedenen Muttersprachen erreichen“, so Rieder. Dieser Erfahrungsaustausch der Erzieherinnen sei ein Start zur kulturellen Sprachpflege; man werde seitens von Altmühl-Jura weiter an dieser Aufgabe arbeiten. So wird es ab Frühjahr 2010 auf der Altmühl-Jura-Website einen eigenen Bereich zur Sprachkultur geben – mit der Möglichkeit zur Information und zum Austausch. |